Das Verbrechen in der eigenen Mitte

Eine, von der Unternehmensberatung Pricewaterhaouse Coopers (PwC) durchgeführte, Studie zeigt: die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität hat in den letzten Jahren deutliche Rückschritte gemacht. Bei befragten Unternehmen sank die Bereitschaft, eigene Mitarbeiter, die sich kriminell verhalten haben, anzuzeigen deutlich. In der gleichen Zeit sind die Fälle von Wirtschaftskriminalität heufiger und schwerwiegender geworden.

Dabei liegen deutsche Unternehmen weit hinter den Amerikanern zurück, wenn es darum geht Vorkehrungen gegen Korruption, Wettbewerbsdelikte, Unterschlagungen und Ähnliches zu treffen. Stefan Salvenmoser, früherer Staatsanwalt und Partner der PwC, sagt: „Die Hälfte der Täter geht straffrei aus.“ Diese Aussage basiert auf einem Datensatz von rund 210 Selbsteinschätzungen von verschiedenen Firmen. Vor zwei Jahren seien noch 61 Prozent der Täter angezeigt worden.

Bei rund der Hälfte der Täter handelt es sich um Mitarbeiter des Unternehmens. Häufig sind es Männer, die seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen beschäftigt sind. Führungskräfte sind in rund einem Drittel der Fälle die Übeltäter. Den Antrieb für die kriminellen Machenschaften bildet eine Mischung aus finanziellen Anreizen aber auch einem Mangel an Unrechtsbewusstsein.

Gerade in Fällen, in denen Top-Manager involviert sind, neigen die Unternehmen dazu, Stillschweigen zu wahren. Zwar wird den Betroffenen gekündigt, eine Anzeige erfolgt in der Regel aber nicht. Zu groß ist die Angst der Unternehmen vor negativer Publicity, die mit einem Ansehensverlust verbunden ist. Ein aufgedecktes Vergehen verursacht einen Schaden von rund 4,3 Millionen Euro. In den vergangenen zwei Jahren sei fast jedes zweite der befragten Unternehmen Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden.

Für die Studie wurden 500 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Der größte Schaden entsteht den Unternehmen, wenn sie Opfer von Produktpiraten oder Industriespionen werden. Im Schnitt sind hier Verluste von rund 6 Millionen Euro üblich. In der Krise rechnet fast ein drittel der Unternehmen mit einem Anstieg der Kriminalität bei den eigenen Mitarbeitern. In den wenigsten Fällen werden die Vergehen übrigens durch Polizeiarbeit oder Staatsanwaltschaft aufgedeckt. Die Quote liegt hier bei nur acht Prozent.

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