Sah es zu Beginn der globalen Finanzkrise für den deutschen Mittelstand noch positiv aus, nagten ihre Auswirkungen bald auch an solide aufgestellten Unternehmen. Trotz erfreulich stabiler Auftragslage legten Banken aus Unsicherheit, Angst und Misstrauen neuen Investitionen Steine in den Weg, verzögerten die Vergabe von Krediten, wodurch das Wachstum zahlreicher Firmen ausgebremst und die Konjunktur zusätzlich geschwächt wurde. So übertrug sich die Krise an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft.
Auch wenn mittelständische Unternehmen immer größere Hürden überwinden müssen, um Kredite zu bekommen, entwickelt sich das Geschäftsklima im Frühjahr 2010 höchst erfreulich, alle Zeichen stehen auf Aufschwung: Groß-und Einzelhandel, verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungssektor bewerten die Stimmung optimistisch. Die jeweiligen Ifo-Indizes der Branchen nähern sich endlich wieder den Werten an, die sie zum Ausbruch der Krise hatten. Einzige Ausnahme stellt aktuell die Bauwirtschaft dar, die seit November 2009 erstmals wieder eine rückläufige Stimmung vermeldete, dabei hat sich auch hier die Geschäftslage erneut deutlich verbessert.
Gutes Klima ist gut für’s Klima
Nach dem langen Winter nimmt auch der Arbeitsmarkt wieder an Fahrt auf. Als besonders potenter Arbeitgeber erweist sich der Bereich der Umwelttechnologie, hier erwarten Fachleute rund 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze innerhalb der nächsten zehn Jahre, das entspricht einer Verdoppelung des aktuell in dieser Branche existierenden Jobvolumens.
Zudem nimmt eine gegenwärtige Studie zum Produktionsstandort Deutschland die Furcht vor übermäßiger Emigration von Betrieben. Trotz höherer Kosten punkten deutsche Standorte mit anderen relevanten Faktoren. Den hohen Lohnkosten stehen die besonderen Qualitätsstandards sowie die gute Qualifikation der Mitarbeiter entgegen. Weitere Vorteile sind der Zustand der Infrastruktur und die hohe Planungssicherheit aufgrund der politischen Stabilität.
Die Studie zeigt weiterhin auf, dass hohe Einsparpotenziale in den Bereichen Produktion und Logistik bestehen. Um bis zu 30 Prozent könnten die Kosten durch sinnvolle Integration der Produktions- und Logistikabläufe ohne nennenswerte Aufwendungen reduziert werden. Auf die Herausforderungen durch drohenden Nachwuchskräftemangel und demografischen Wandel würden sich viele der für die Studie befragten Betriebe bereits einstellen. Geschlechtergleichstellung, Produktindividualisierung und zunehmendes Umweltbewusstsein treiben laut der Untersuchung Leistungsfähigkeit und Innovation in den Firmen weiter voran.
Auch hier erweisen sich ökologische Herausforderungen als starker Motor, denn immer mehr der internationalen Großunternehmen stellen die Weichen auf “grün” und fordern dies zunehmend auch von ihren Kooperationspartnern und Zulieferern aus dem Mittelstand, machen die Reduzierung des CO2-Ausstoßes sogar teilweise schon zum Vertragsbestandteil. Eine Studie zum Stellenwert des Klimaschutzes in Großkonzernen von A.T. Kearney ergab, dass bereits 60 Prozent der befragten Firmen einen eigenen Klimabeauftragten im Vorstand benannt haben.